
Klimabewertungen, die sich überprüfen lassen: Unser Beitrag zu EmpCo
Gemeinsam mit der ESFC haben wir ein Regelwerk, einen Sampling-Ansatz für täglich wechselnde Speisepläne und die Technologie gebaut, um ein Rating vom Rezept bis zum Ergebnis nachzurechnen. Was das für die kommende unabhängige Prüfung und für CO₂-Werte und Ratings bedeutet.
Klimabewertungen, die sich überprüfen lassen: Unser Beitrag zu EmpCo
Ein Buchstabe neben einem Gericht – ein «B» auf der Skala von A bis E – verdichtet eine umfangreiche Berechnung zu einem einzigen Zeichen. Dahinter stehen Zutaten, Herkunft, Landwirtschaft, Verarbeitung, Transport und Zubereitung. Ob man diesem Zeichen vertrauen kann, hängt an einer einfachen Frage: Kann jemand, der nicht wir ist, es nachvollziehen — jede Datenquelle, jede Annahme, jeden Rechenschritt — und zum selben Ergebnis kommen?
Ab dem 27. September 2026 gelten die Regeln der EU-Richtlinie 2024/825 zur Stärkung der Verbraucher für den ökologischen Wandel, kurz EmpCo. Nachhaltigkeitssiegel sind dann nur noch zulässig, wenn sie auf einem Zertifizierungssystem mit unabhängiger Prüfung beruhen. Wir begrüssen das. Für unsere Branche, in der sich täglich Tausende Rezepte und Speisepläne ändern und laufend neu berechnet werden müssen, gab es ein solches System bisher nicht. Wir haben in den letzten Monaten daran gearbeitet, dass es eines gibt – und dass unsere Bewertungen ihm standhalten.
Offenes Berechnungssystem, offene Daten
Bevor jemand unsere Bewertungen prüfen kann, muss er sie nachrechnen können. Dafür haben wir unsere Grundlage überarbeitet und geöffnet: Als einer der ersten Anbieter von Klimabewertungen für Lebensmittel haben wir unser Berechnungssystem bereits 2022 öffentlich gemacht; seit Ende August ist auch die neue Datenbasis publiziert und damit Ende zu Ende nachvollziehbar (erster Datenstand: v1.8.0 mit 1.066 Inventaren, 27. August 2026, siehe lci-workbench). Sie baut auf den UVEK/BAFU-Ökobilanzdaten auf — und geht darüber hinaus: Jeder Wert entsteht aus frei zugänglichen Daten und dokumentierten Modellen, trägt eine Konfidenz und lässt sich unabhängig nachrechnen. Das vereinfacht die Prüfung und macht eine harmonisierte europäische Berechnungsgrundlage überhaupt erst möglich.
Was dafür gebaut wurde, steht im Changelog: über 70 öffentlich dokumentierte Bausteine für Transport, Dünger, Verpackung, Landnutzung und die einzelnen Produktgruppen, prozessbasierte Emissionsmodelle für die Landwirtschaft statt übernommener Durchschnittswerte, eine Konfidenz auf jedem Emissionsfluss und ein Qualitätssystem mit 600 Testfällen. Die Testergebnisse sind öffentlich einsehbar.
Auch der Massstab hinter dem Rating ist offengelegt: wie die Bezugsgrösse (Daily Food Unit) verwendet wird und wie der Benchmark aus Einkaufsdaten der Gemeinschaftsgastronomie hergeleitet wird (Herleitung des Benchmarks (provisorisch)). Der Einstieg zu allem ist das Dokumentationsportal.
Regeln, die im Küchenalltag funktionieren
Ein Bewertungssystem muss klare Antworten geben: Welche Umweltwirkung wird bewertet, welche Daten sind zulässig, wie wird aus einer Berechnung ein Rating, wer prüft, und was geschieht, wenn sich Daten ändern oder eine Bewertung beanstandet wird? Für diese Fragen haben wir ein Regelwerk ausgearbeitet und in die gemeinsame Entwicklung mit der European Sustainable Food Coalition (ESFC) eingebracht. Die ESFC ist Eignerin des Schemas: Sie entwickelt, veröffentlicht und pflegt es. Über Kennzeichen-Lizenzen entscheidet ihr Zertifizierungsausschuss, dessen Mitglieder vom ESFC-Vorstand für drei Jahre ernannt werden und kein kommerzielles Interesse am Lizenzergebnis haben dürfen – weder bei einem Anbieter wie Eaternity noch bei der Prüfstelle noch bei einem Händler. Regelwerk (v1.1), Gebührenordnung und Status stehen auf dem ESFC-Transparenzportal.
Die eigentliche Schwierigkeit lag woanders. In einer Küche ändern sich Rezepte, Lieferanten und Mengen laufend; eine Prüfung, die jedes einzelne Gericht vorab kontrolliert, ist nicht praktikabel. Unser Ansatz verbindet deshalb zwei Dinge. Zuerst werden Methode und Berechnungsprozess als Ganzes beurteilt. Dann prüft eine unabhängige Prüfstelle anhand von Stichproben, wie das System im Alltag angewendet wird: zufällig ausgewählte Gerichte für eine breite Kontrolle, ergänzt um eine risikobasierte Auswahl bei besonderen Annahmen, neuen Daten oder Ergebnissen nahe einer Ratinggrenze. Für jedes ausgewählte Gericht folgt die Prüfstelle dem Weg vom Rezept bis zum sichtbaren Rating auf dem Speiseplan. Auswahl und Schlussfolgerung liegen bei ihr.
Wo die Prüfung steht
Unsere Methoden- und Dokumentationsarbeit orientiert sich an ISO 14040/14044 für Ökobilanzen und ISO 14067 für Produkt-CO₂-Fussabdrücke; die externe Prüfung führen unabhängige Prüfstellen durch, die nach ISO/IEC 17029 und ISO 14065 arbeiten. Die unabhängige Prüfung ist beauftragt: Bureau Veritas Solutions Denmark A/S prüft unsere Methodik und unser Ratingverfahren nach ISO 14064-3 gegen ISO 14067 und das ESFC-EmpCo-Regelwerk; die Erklärung dazu hat Bureau Veritas am 15. September 2026 unterzeichnet.
Eines gehört klar gesagt: Am 27. September liegt die Prüfaussage noch nicht vor. Die Prüfung ist als laufender Prozess angelegt: eine Erstprüfung, danach jährliche Stichprobenkontrollen realer Ratings. Den Prüfungsbericht veröffentlichen wir, sobald er vorliegt, auf der Statusseite zur Prüfung; die Prüfaussage wird nicht unter Akkreditierung ausgestellt, und eine Lizenz unter dem Schema besteht noch nicht. Die Prüfstelle prüft im Rahmen ihres eigenen Prüfprogramms unsere Methodik, unser System und eine Stichprobe realer Kundenfälle und stellt eine öffentliche Prüfaussage mit Bedingungen für die Kommunikation aus. Den Prüfstatus unserer Bewertungen beschreiben wir zu jedem Zeitpunkt genau so, wie er ist. Die Prüfstelle verantwortet ihre Schlussfolgerungen; dieser Artikel ersetzt keinen Prüfbefund.
Was das für Ihre Werte bedeutet
Die neue Datenbasis kann den Weg zu einem europäischen Standard für die CO₂-Kennzeichnung von Lebensmitteln ebnen: Wir stellen alle unsere Berechnungen darauf um. Ihre Werte beruhen dann erstmals auf Daten und Modellen, die jeder einsehen und nachrechnen kann. Dazu kommen die Bezugsgrösse Daily Food Unit (DFU) in der aktualisierten Definition von 2026 und die Bewertungsmethode EF 3.1. Deshalb berechnen wir auch den Rating-Benchmark neu, und so können sich CO₂-Werte und Ratings auch bei unveränderten Rezepten verschieben. Eine solche rechnerische Änderung beschreibt die aktualisierte Bewertungsgrundlage; sie sagt nichts über die tatsächlichen Emissionen Ihrer Gerichte aus. Werte und Rating-Schwellen wechseln gemeinsam; den Termin der Umstellung kündigen wir Ihnen rechtzeitig vorher an. Die wesentlichen Änderungen für Ihre Menüplanung stehen im Blogbeitrag Bevorstehendes Update der CO₂-Datengrundlage, die Inventardetails je Lebensmittelgruppe mit Vorher- und Nachher-Werten in unserem Changelog; das vollständige EDB-Changelog führt jedes Inventar des Datenstands auf.
Wir laden Fachleute, Prüfstellen und Partner ein, diese Arbeit zu prüfen und weiterzuentwickeln. Die öffentliche Dokumentation ist der Einstieg; für den Austausch erreichen Sie uns unter hello@eaternity.org.
Ready to Transform Your Food Impact?
Discover how Eaternity can help your organization achieve sustainability goals.
Get Started