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Klima-Score

Der Klima-Score quantifiziert die gesamte Klimaauswirkung von Lebensmittelprodukten, indem verschiedene Treibhausgasemissionen in eine einzige Kennzahl umgerechnet werden: CO₂-Äquivalente (CO₂e).

Was sind klimafreundliche Lebensmittel?

Um zu verstehen, was Lebensmittel "klimafreundlich" macht, muss man die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Auswirkungen von Lebensmittelsystemen auf den Klimawandel betrachten und klare Schwellenwerte für Reduktionen festlegen.

Wissenschaftliche Grundlage

Laut Crippa et al. (2021), veröffentlicht in Nature, sind Lebensmittelsysteme für ein Drittel der globalen anthropogenen Treibhausgasemissionen verantwortlich (34% der globalen THG-Emissionen).

Wichtige Forschungsergebnisse:

QuelleAktuelle EmissionenZielErforderliche Reduktion
Eat-Lancet Commission8,5 - 13,7 Gt CO₂-eq/Jahr5 Gt CO₂-eq/Jahr41-64%
IPCC AR617 Gt CO₂-eq/Jahr (2018)Innerhalb sicherer Grenzen~50%
Vermeulen et al.9,8-16,9 Gt CO₂-eq/Jahr5 Gt CO₂-eq/Jahr50-64%

Der IPCC-Sonderbericht über Klimawandel und Land hebt die "Flexitarier"-Diät aus Springmann et al. als das minimal mögliche Diätszenario hervor, das die Emissionen bis 2050 innerhalb sicherer Grenzen hält und die Hälfte der Emissionen im Vergleich zum "Business as usual"-Szenario darstellt.

Der 50%-Schwellenwert

Wir definieren jede Mahlzeit, die 50% unter unseren aktuellen Emissionen liegt, als "klimafreundlich"

Begründung:

  • Wissenschaftsbasiertes Ziel: Abgestimmt auf IPCC- und Eat-Lancet-Empfehlungen
  • Erreichbares Ziel: Europa wird dieses Ziel voraussichtlich innerhalb der nächsten 12 Jahre erreichen
  • Vorreiterstandard: Führende Produkte und Restaurants sollten anstreben, 50% ihrer Emissionen in den nächsten 2-3 Jahren zu reduzieren
  • Sofortige Handlung: Schon heute kann jeder eine klimafreundliche Option anbieten

Was der Klima-Score misst

Die CO₂-Äquivalent-Berechnung umfasst alle Treibhausgasemissionen entlang der gesamten Lebensmittel-Lieferkette:

Emissionstypen

GasQuelleTreibhauspotenzial
CO₂Energienutzung, Transport1× (Referenz)
CH₄ (Methan)Verdauung von Nutztieren, Reisfelder28×
N₂O (Lachgas)Düngemittel, Bodenemissionen265×
HFCsKühlsystemeVariabel (100-10'000×)

Lieferkettenstufen

Emissionen werden über die gesamte Lieferkette verfolgt:

  1. Landwirtschaftliche Produktion

    • Düngemittel- und Pestizidproduktion
    • Landmaschinen und Bewässerung
    • Landnutzungsänderung (Abholzung)
  2. Tierhaltung

    • Enterische Fermentation (Verdauung)
    • Wirtschaftsdüngermanagement
    • Futtermittelproduktion und -transport
  3. Verarbeitung

    • Energieverbrauch bei der Herstellung
    • Verpackungsproduktion
    • Lebensmittelabfälle bei der Verarbeitung
  4. Transport

    • Vom Hof zur Verarbeitungsanlage
    • Distribution zum Einzelhandel
    • Transportmittel (Flugzeug, Schiff, LKW)
  5. Lagerung

    • Kühlung und Tiefkühlung
    • Energieverbrauch im Lager

So berechnen wir

Durchschnittlicher CO₂-Referenzwert

Wir berechnen sorgfältig den durchschnittlichen CO₂-Verbrauch basierend auf unserer Datenbank mit Millionen von Produkten. Dies dient als unser Vergleichsreferenzwert.

Für detaillierte Methodik siehe:

Berechnungsprozess

Schritt 1: Emissionsidentifikation Alle Treibhausgasemissionen werden entlang der Lieferkette identifiziert und gemessen.

Schritt 2: GWP-Umrechnung Verschiedene Gase werden mit Treibhauspotenzial-Faktoren (GWP) in CO₂-Äquivalente umgerechnet:

CO₂e = CO₂ + (CH₄ × 28) + (N₂O × 265) + ...

Schritt 3: Aggregation Alle umgerechneten Emissionen werden summiert, um den gesamten CO₂e-Fussabdruck pro funktioneller Einheit zu bestimmen.

Schritt 4: Allokation Wenn Prozesse mehrere Outputs liefern, werden Emissionen alloziert nach:

  • Wirtschaftlichem Wert
  • Masse
  • Energiegehalt

Schritt 5: Vergleich

  1. Gesamt-CO₂ für das Lebensmittelprodukt berechnen
  2. Normalisierung nach Menge mit Daily Food Units (DFU)
  3. Verhältnis berechnen, das Produkt mit Durchschnitt vergleicht
  4. Prozentsatz bestimmen, wie viel besser (oder schlechter) das Produkt ist

Für die Berechnungsformel siehe:

Bewertungssystem

Der Klima-Score verwendet ein 5-Wolken-Bewertungssystem, wobei A am besten (5 Wolken) und E am schlechtesten (1 Wolke) ist:

BewertungWolkenBedeutungCO₂eq/DFU Schwellenwert
A☁️☁️☁️☁️☁️Mindestens 50% besser als Durchschnitt< 1'947g
B☁️☁️☁️☁️Besser als Durchschnitt< 3'894g
C☁️☁️☁️Schlechter als Durchschnitt< 7'787g
D☁️☁️Doppelt so hohe Auswirkung wie Durchschnitt< 15'574g
E☁️Viermal so hohe Auswirkung wie Durchschnitt> 15'574g
Klimafreundliches Ziel

Bewertung A zeigt an, dass das Lebensmittel innerhalb der Grenzen einer klimafreundlichen Ernährung liegt. Bewertung B bedeutet, dass Sie auf dem richtigen Weg zu klimafreundlicher Ernährung sind.

Einflussfaktoren

Was macht Lebensmittel zu hohen Emittenten?

Tierische Produkte:

  • Rindfleisch: ~15-30 kg CO₂e/kg (Methan aus der Verdauung)
  • Lamm: ~20-25 kg CO₂e/kg
  • Käse: ~8-12 kg CO₂e/kg (Milchproduktion)

Transportmethode:

  • Luftfracht: 50× mehr Emissionen als Schiffstransport
  • Per Flugzeug transportierter Spargel aus Peru vs. lokal

Produktionsmethode:

  • Beheizte Gewächshäuser: 3-10× Freilandproduktion
  • Konventionell vs. biologisch variiert je nach Kultur

Abholzung:

  • Landnutzungsänderung kann den Fussabdruck dominieren
  • Soja, Palmöl, Rindfleisch von abgeholztem Land

Was macht Lebensmittel zu niedrigen Emittenten?

Pflanzliche Lebensmittel:

  • Hülsenfrüchte: 0,5-1,5 kg CO₂e/kg
  • Saisonales Gemüse: 0,2-0,5 kg CO₂e/kg
  • Getreide: 0,5-1,0 kg CO₂e/kg

Produktionsfaktoren:

  • Lokale, saisonale Produktion
  • Effiziente Anbaumethoden
  • Nutzung erneuerbarer Energien

Beispiel: Optionen vergleichen

LebensmittelCO₂e pro 100gCO₂e pro DFUBewertung
Rindersteak2'100g5'250gE
Hähnchenbrust450g900gC
Tofu150g450gB
Linsen80g160gA

Auswirkungen

Für Verbraucher

  • Wählen Sie Mahlzeiten, die als klimafreundlich gekennzeichnet sind (50% unter Durchschnitt)
  • Auch kleine Änderungen machen einen messbaren Unterschied
  • Jede klimafreundliche Mahlzeit trägt zu globalen Zielen bei

Für Restaurants und Gastronomie

  • Streben Sie 50% Emissionsreduktion innerhalb von 2-3 Jahren an
  • Bieten Sie klimafreundliche Optionen auf jeder Speisekarte
  • Verwenden Sie Bewertungen, um Gästen die Umweltvorteile zu kommunizieren

Für Lebensmittelhersteller

  • Produktentwicklung sollte auf weniger als 50% des aktuellen Durchschnitts abzielen
  • Entwicklung nachhaltiger Zutaten und Prozesse
  • Transparente Umweltkennzeichnung baut Vertrauen auf

Zeitplan und Ziele

  • Aktuell: Klimafreundliche Optionen heute verfügbar
  • 2-3 Jahre: Vorreiterbetriebe erreichen 50% Reduktion
  • 12 Jahre: Europäisches Lebensmittelsystem soll 50% Reduktion erreichen
  • 2050: Globales Lebensmittelsystem innerhalb planetarer Grenzen (5 Gt Ziel)

Datenqualität

Klima-Score-Berechnungen basieren auf:

  • Primärdaten: Direkte Messungen von Produzenten
  • Sekundärdaten: Veröffentlichte LCA-Studien und Datenbanken
  • Modellierte Daten: Wissenschaftliche Modelle für Lücken

Datenunsicherheit wird kommuniziert, wo relevant.

Siehe auch