Wasser-Referenzwerte
Wasser-Referenzwerte legen Bezugspunkte fur die Bewertung von Lebensmittelprodukten basierend auf ihren Auswirkungen auf die Wasserknappheit fest.
Referenzwert-Methodik
Die Wasserauswirkung wird als knappheitsgewichteter Wasserverbrauch gemessen. Der Referenzwert wurde auf derselben Datenbasis wie der Klima-Referenzwert berechnet.
Datenstichprobe
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Analysierte Betriebe | 150 |
| Analysierte Einkaufe | >3,5 Millionen |
| Datenzeitraum | 2019-2021 |
| Geografischer Fokus | Hauptsachlich Schweiz |
Referenzwert
91,56 Liter knappes Wasser pro Tagliche Lebensmitteleinheit (DFU)
Dies ist der durchschnittliche knappheitsgewichtete Wasserfussabdruck uber alle analysierten Lebensmitteleinkaufe.
Im Gegensatz zu CO2-Werten (die einer eher normalen Verteilung folgen) sind Wasserfussabdruckwerte stark exponentiell. Einige Produkte aus wasserarmen Regionen (Mandeln, Cashews, Oliven) haben extrem hohe Werte (>5.000 L/DFU), wahrend die meisten Produkte deutlich unter dem Durchschnitt liegen.
Das 50%-Reduktionsziel
Das Bewertungssystem ist um ein zentrales Umweltziel herum konzipiert: Reduzierung unserer Abhangigkeit von knappem Wasser um 50%.
Wie es funktioniert
Die Analyse der kumulativen Verteilung zeigt, dass dieses Ziel durch Vermeidung extremer Ausreisser erreicht werden kann:
| Schwelle | Kumulativer DFU | Kumulatives Wasser | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Produkte unter 1.059,85 L/DFU | 6.404.682 | 293.210.216 L | 45,78 L/DFU |
Durch ausschliesslichen Konsum von Produkten mit weniger als 1.059,85 L/DFU ist der kumulative Wasserfussabdruck genau halb so hoch wie der Durchschnitt (45,78 L vs. 91,56 L).
Produkte mit einem hoheren Wasserfussabdruck als der Durchschnitt konnen immer noch eine angemessene Bewertung erhalten, weil das Vermeiden extremer Ausreisser das 50%-Reduktionsziel erreicht. Der Fokus liegt auf der Eliminierung der schlimmsten Verursacher, nicht auf der Bestrafung von allem uber dem Durchschnitt.
Bewertungsschwellen
Das A-E-Bewertungssystem basiert auf wissenschaftlich abgeleiteten Schwellenwerten:
| Schwelle | Wasser/DFU | Multiplikator | Beschreibung |
|---|---|---|---|
| A vs B | 91,56 L | 1× (Durchschnitt) | Optimaler Verbrauch knappen Wassers. Produkte unter dem Durchschnitt garantieren reduzierte Abhangigkeit von knappem Wasser. |
| B vs C | 183,12 L | 2× Durchschnitt | Immer noch sehr niedriger Verbrauch knappen Wassers. |
| C vs D | 366,24 L | 4× Durchschnitt | Erheblich hoherer Verbrauch (mindestens 4× Durchschnitt). |
| D vs E | 1.059,85 L | Kumulativer Schwellenwert | Kritischer Schwellenwert. Produkte uber diesem Wert verhindern das Erreichen des 50%-Reduktionsziels. |
Bewertungsinterpretation
| Bewertung | Beschreibung | Empfehlung |
|---|---|---|
| A | Unter Durchschnitt | Unterstutzt 50%-Reduktionsziel |
| B | Bis zu 2× Durchschnitt | Geringe Auswirkung, gute Wahl |
| C | 2-4× Durchschnitt | Masssige Auswirkung |
| D | 4× bis Schwelle | Hohe Auswirkung, Konsum reduzieren |
| E | Uber Schwelle | Sehr hohe Auswirkung, wenn moglich vermeiden |
Produkte mit hoher Auswirkung
Produkte mit extrem hohen Wasserfussabdrucken (>5.000 L/DFU) stammen typischerweise aus wasserarmen Regionen:
| Produkt | Typische Herkunft | Wasserauswirkung | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
| Mandeln | Kalifornien, Spanien | Sehr hoch | Regionen mit starkem Wasserstress |
| Cashews | Vietnam, Indien | Sehr hoch | Bewasserungsintensiv |
| Oliven | Mittelmeerraum | Sehr hoch | Oft aus belasteten Grundwasserleitern |
| Avocados | Mexiko, Chile | Hoch | Wasserintensiver Anbau |
Regionaler Vergleich Beispiel
Dasselbe Produkt kann je nach Herkunft sehr unterschiedliche Wasserauswirkungen haben:
| Produkt | Herkunft | Bewasserungsbedarf | Knappheits-Fussabdruck |
|---|---|---|---|
| Tomate | Schweiz | Basis | 1× |
| Tomate | Spanien | 44× Schweizer Tomate | 2.400× Schweizer Tomate |
Dieser dramatische Unterschied entsteht, weil spanische Tomaten umfangreiche Bewasserung in einer wasserarmen Region benotigen, wahrend Schweizer Tomaten starker auf Niederschlag angewiesen sind.
Wasserstressindex (WSI)
Die Knappheitsgewichtung verwendet die Wasserstressindex-Methodik:
| WSI-Bereich | Stressniveau | Beschreibung |
|---|---|---|
| 0,01 - 0,10 | Keiner | Wasser reichlich vorhanden |
| 0,10 - 0,50 | Masssig | Teilweise saisonaler Stress |
| 0,50 - 0,90 | Schwer | Erhebliche Wasserknappheit |
| ≥ 0,90 | Extrem | Kritischer Wassermangel |
Datenquellen
Wasserfussabdruckberechnungen verwenden:
- Scherer & Pfister (2016b) — Wasserknappheits-Fussabdruckdaten fur 142 Produkte in 162 Landern
- Pfister et al. (2009) — Wasserstressindex-Methodik
- Globale Modelle — 6 Modelle fur Flussabfluss, 4 fur Grundwasserneubildung, 6 fur Niederschlag, 3 fur Wassernutzung
- Raumliche Auflosung — 10×10 km Raster
Globaler Kontext
Verstehen, warum Wasserknappheit wichtig ist:
| Statistik | Wert |
|---|---|
| Menschen ohne Zugang zu sauberem Wasser | 663 Millionen |
| Anteil der Landwirtschaft am Suesswasserverbrauch | 70% |
| Globaler durchschnittlicher WSI fur Lebensmittelproduktion | 0,51 (masssig bis hoher Stress) |
| Durchschnittlicher lokaler WSI einer Person | 0,32 |
Die Diskrepanz zwischen dem Ort der Lebensmittelproduktion (oft wasserarme Regionen) und dem Ort des Konsums schafft einen "virtuellen Wasser"-Transfer, der globale Wasserressourcen belastet.
Schweiz-spezifische Erkenntnisse
Produkte mit hohen Wasserfussabdrucken, die haufig in der Schweiz konsumiert werden:
- Oliven und Olivenol
- Nusse (Mandeln, Cashews, Walnusse)
- Schokolade und Kakao
- Kaffee
- Milchprodukte (aufgrund von Futtermitteln)
- Reis
- Rindfleisch
Diese Produkte stammen oft aus wasserarmen Regionen, was die Herkunftsauswahl entscheidend fur die Reduzierung der Wasserauswirkungen macht.
Siehe auch
- Wasserfussabdruck-Bewertung — Verstehen der Wasserbewertungen
- Klima-Referenzwerte — CO2-Referenzwert-Methodik
- Methodenubersicht — Okobilanzmethoden