Koch-Handbuch: Rezeptwirkung reduzieren
Dieses Handbuch bietet bewährte, von Köchen getestete Strategien zur Reduzierung der Umweltwirkung Ihrer Rezepte bei gleichzeitiger Erhaltung von Geschmack, Präsentation und Gästezufriedenheit. Basierend auf Erkenntnissen aus über 300 professionellen Küchen, die Gastro nutzen.
Grundprinzipien
Die 80/20-Regel
80% der Rezeptwirkung stammen typischerweise von 20% der Zutaten.
Konzentrieren Sie Optimierungsbemühungen auf:
- Tierische Proteine (besonders Rind- und Lammfleisch)
- Milchprodukte (Käse, Rahm, Butter)
- Gemüse ausserhalb der Saison
- Per Luftfracht transportierte Zutaten
Beispiel:
Rindfleisch-Burger (pro Portion):
Rindfleisch-Patty (150g): 2.850 g CO₂eq (89%)
Brötchen (80g): 240 g CO₂eq (7%)
Salat (20g): 12 g CO₂eq (1%)
Tomate (30g): 18 g CO₂eq (1%)
Käse (30g): 75 g CO₂eq (2%)
─────────────────────────────────────
Gesamt: 3.195 g CO₂eq
Massnahme: Fokussieren Sie auf das Rindfleisch-Patty, nicht den Salat.
Geschmack zuerst
Niemals den Geschmack für Nachhaltigkeit opfern.
Schlüssel zum Erfolg:
- Alle Rezeptänderungen mit dem Küchenteam testen
- Geschmacksprofile beibehalten oder verbessern
- Textur, Farbe und Präsentation berücksichtigen
- Gästefeedback vor dem vollständigen Rollout einholen
Profitipp: Viele wirkungsärmere Alternativen verbessern tatsächlich die Gerichte (z.B. pflanzliche Proteine nehmen Marinaden besser auf).
Schrittweise Übergänge
Menüs inkrementell ändern, nicht radikal.
Zeitplan für Veränderungen:
- Woche 1-2: 3-5 Gerichte mit höchster Wirkung optimieren
- Monat 1: Erste klimafreundliche Menüoptionen lancieren
- Monat 2-3: Saisonale Alternativen einführen
- Monat 4-6: 30% E-bewertete Gerichte erreichen
- Jahr 1: 50% Portfolio mit E/D-Rating erreichen
Strategie 1: Pflanzenbetonte Proteintausche
Rindfleisch-Ersatz
Höchste Möglichkeit zur Wirkungsreduzierung - Rindfleisch typischerweise 2.000-5.000 g CO₂eq pro 200g Portion
Tausch zu Hähnchen
- Wirkungsreduzierung: 45-60%
- Gästeakzeptanz: Sehr hoch (bekanntes Protein)
- Geschmack: Ähnlich herzhaft-umami
Beispiel:
Vorher: Rindfleisch-Chili (pro Portion)
Rinderhackfleisch (200g): 3.600 g CO₂eq
Gesamt Rezept: 4.200 g CO₂eq (Rating: A)
Nachher: Hähnchen-Chili
Hähnchenhack (200g): 1.200 g CO₂eq
Gesamt Rezept: 1.800 g CO₂eq (Rating: C)
Reduzierung: 57%
Kochtipps:
- Keulen verwenden für mehr Geschmack als Brust
- Hähnchen gut anbraten für Tiefe
- Geräuchertes Paprikapulver für Reichhaltigkeit hinzufügen
- Gewürze leicht erhöhen (Hähnchen ist milder)
Tausch zu Schweinefleisch
- Wirkungsreduzierung: 35-50%
- Gästeakzeptanz: Hoch
- Geschmack: Reich, funktioniert in vielen Rindfleisch-Anwendungen
Funktioniert gut für:
- Bolognese-Sauce (50/50 Schwein/Rind oder 100% Schwein)
- Fleischbällchen (Schweineschulter)
- Burger (Schweinehack + Speck)
- Pfannengerichte und asiatische Gerichte
Tausch zu Hülsenfrüchten
- Wirkungsreduzierung: 65-80%
- Gästeakzeptanz: Mittel bis hoch (bei guter Zubereitung)
- Geschmack: Erdig, nimmt Gewürze gut auf
Beste Hülsenfrucht-Tausche:
Linsen (für Hackfleisch)
- Bolognese-Sauce
- Shepherd's Pie
- Tacos und Burritos
- Sloppy Joes
Kichererbsen (für Stücke/Würfel)
- Curry-Gerichte
- Eintöpfe und Schmorgerichte
- Salate und Bowls
- Falafel und Bratlinge
Schwarze Bohnen (für mexikanisch/lateinamerikanisch)
- Burger und Patties
- Chili und Eintöpfe
- Tacos und Enchiladas
- Dips und Aufstriche
Kochtipps für Hülsenfrüchte:
- Gewürze in Fett rösten, bevor Hülsenfrüchte hinzugefügt werden
- Einige Hülsenfrüchte zerdrücken, um Cremigkeit zu erzeugen
- Umami hinzufügen (Sojasauce, Miso, Pilze, Hefeflocken)
- Pilze zusammen verwenden für fleischige Textur
- Auf richtige Würzung achten (Hülsenfrüchte brauchen mehr Salz)
Tausch zu Pilzen + Hülsenfrüchten
- Wirkungsreduzierung: 70-85%
- Gästeakzeptanz: Hoch (wenn als bewusstes Gericht präsentiert, nicht Ersatz)
- Geschmack: Tiefes Umami, befriedigende Textur
Der Pilz-Effekt:
- Pilze fügen Umami und fleischige Textur hinzu
- Kombinieren mit Hülsenfrüchten für Protein
- Ergebnis fühlt sich substanziell an, nicht "fehlendes" Fleisch
Beispielrezept:
Klimafreundliches "Rinder"-Ragù:
50% braune Linsen
30% gehackte Pilze (Cremini, Shiitake)
20% Walnüsse (optional, für Reichhaltigkeit)
+ Traditionelle Aromaten (Zwiebel, Knoblauch, Tomate)
+ Wein, Kräuter, Parmesan
Ergebnis: 250 g CO₂eq (vs 2.800 g für Rindfleisch-Ragù)
Rating: A (Klimafreundlich)
Gästefeedback: "Vermisste das Rindfleisch nicht"
Lammfleisch-Ersatz
Zweithöchste Wirkung - Lamm typischerweise 2.500-4.000 g CO₂eq pro 200g Portion
Tausch zu Hähnchen, Schwein oder Hülsenfrüchten mit denselben Prinzipien wie bei Rindfleisch
- Lamm-Curry → Hähnchen-Curry (50% Reduzierung)
- Lamm-Tagine → Kichererbsen-Tagine (75% Reduzierung)
- Lamm-Kebabs → Hähnchen- oder Halloumi-Kebabs (45-60% Reduzierung)
Charakteristische Aromen beibehalten:
- Lamm-Fett/-Knochen für Brühe verwenden (geringe Wirkung, grosser Geschmack)
- Kreuzkümmel, Koriander, Minze erhöhen (klassische Lammgewürze)
- Eingelegte Zitrone oder Joghurt für traditionelle Profile hinzufügen
Milchprodukt-Tausche
Käse (500-1.200 g CO₂eq pro 100g)
Strategien:
-
Menge reduzieren, Qualität erhöhen
- Gereiften Parmesan statt milder Käse verwenden (mehr Geschmack pro Gramm)
- Fein reiben für gleichmässige Verteilung mit weniger Volumen
-
Käse mit geringerer Wirkung wählen
- Frischkäse (Ricotta, Mozzarella) < Gereifte Käse < Hartkäse
- Ziegen-/Schafskäse oft niedriger als Kuhmilchkäse
-
Pflanzliche Alternativen
- Hefeflocken für Umami/käsigen Geschmack
- Cashew-Creme für Ricotta-artige Anwendungen
- Kommerzieller pflanzlicher Käse (Qualität variiert - zuerst testen)
Rahm und Butter (300-800 g CO₂eq pro 100g)
Tausche:
- Vollrahm → Kokosnussrahm (60% Reduzierung)
- Butter → Olivenöl (70% Reduzierung, mediterrane Gerichte)
- Butter → Pflanzliche Butter (50-60% Reduzierung)
- Rahmsauce → Cashew-Rahmsauce (65% Reduzierung)
Kochtipps:
- Kokosnussrahm funktioniert hervorragend in Currys, Suppen, Desserts
- Olivenöl zum Anbraten verwenden, nicht zum Backen (Geschmack zu stark)
- Pflanzliche Butter variiert nach Marke - vor Verwendung testen
- Säure hinzufügen (Zitrone, Wein) beim Ersetzen von Rahm für Frische
Pflanzliche Protein-Referenz
Aus dem Eaternity-Profikoch-Curriculum — wichtige pflanzliche Proteine für Köche:
Hülsenfrüchte (Garzeiten & beste Verwendungen)
| Hülsenfrucht | Garzeit | Beste Anwendungen | CO₂ pro 200g |
|---|---|---|---|
| Rote Linsen | 15-20 Min | Dal, Suppen, schnelle Saucen | ~80g |
| Braune/grüne Linsen | 25-40 Min | Salate, Ragù, behält Form | ~80g |
| Kichererbsen | 60-90 Min (oder Dose) | Currys, Hummus, Falafel, geröstet | ~100g |
| Schwarze Bohnen | 60-90 Min | Mexikanische Gerichte, Burger, Dips | ~90g |
| Kidneybohnen | 60-90 Min | Chili, Eintöpfe, Salate | ~90g |
| Weisse Bohnen | 60-90 Min | Cassoulet, Suppen, Pürees | ~90g |
Kochtipps:
- Getrocknete Hülsenfrüchte über Nacht einweichen, um Garzeit um 50% zu reduzieren
- Salz erst nach dem Kochen hinzufügen (verhindert harte Schalen)
- Einige Hülsenfrüchte zerdrücken, um cremige Textur in Gerichten zu erzeugen
Sojaprodukte-Vergleich
| Produkt | Textur | Beste Garmethode | Zubereitungstipps |
|---|---|---|---|
| Fester Tofu | Dicht, schneidbar | Braten, Grillen, Pfanne | 20+ Min pressen, um Wasser zu entfernen |
| Seidentofu | Cremig, weich | Desserts, Smoothies, Saucen | Nicht pressen, direkt mixen |
| Tempeh | Nussig, bissfest | Marinieren & grillen, zerbröseln, in Scheiben | 10 Min dämpfen, um Bitterkeit zu reduzieren |
| Seitan | Sehr fleischig, bissfest | Dünn schneiden, schmoren, Pfanne | Gegen die Faser schneiden |
Nüsse & Samen für Protein
| Zutat | Protein/100g | Beste kulinarische Verwendungen |
|---|---|---|
| Hanfsamen | 31g | Smoothies, Salate, Pesto |
| Kürbiskerne | 24g | Topping, Pesto, Granola |
| Sonnenblumenkerne | 26,5g | Brot, Cracker, Kruste |
| Mandeln | 19g | Milch, Mehl, Kruste, Butter |
| Cashews | 18g | Rahmsaucen, Käse, Desserts |
| Erdnüsse | 25g | Saucen, Satay, asiatische Gerichte |
Strategie 2: Saisonale Beschaffung
Warum Saisonalität wichtig ist
Wirkung von Gemüse ausser Saison:
- Gewächshausanbau: +200-400% Emissionen (Heizung)
- Langer Transport: +50-150% Emissionen
- Kühllagerung: +20-50% Emissionen
Saisonales Gemüse:
- Freilandanbau (keine Heizung)
- Kürzerer Transport (regionale Erzeuger)
- Besserer Geschmack und Nährwert
- Niedrigere Kosten
Saisonale Tausche nach Region (Mitteleuropa-Beispiel)
Frühling (März-Mai)
In Saison: Spargel, Rhabarber, neue Kartoffeln, Erbsen, Radieschen, Kräuter Vermeiden: Tomaten, Paprika, Auberginen (auf Sommer warten)
Menü-Tausche:
Statt: Tomatenbasierte Gerichte
Versuchen: Spargelrisotto, Erbsensuppe, kräuterbetonte Zubereitungen
Ersparnis: 100-300 g CO₂eq pro Gericht
Sommer (Juni-August)
In Saison: Tomaten, Zucchini, Paprika, Beeren, Steinobst, Blattsalate Hauptsaison: Reichlich verwenden - niedrigstes Wirkungsfenster
Menü-Tausche:
Statt: Importierte Beeren ganzjährig
Versuchen: Lokale Erdbeeren, Himbeeren (nur Juni-Aug)
Ersparnis: 200-500 g CO₂eq pro Gericht
Herbst (September-November)
In Saison: Kürbis, Wurzelgemüse, Pilze, Äpfel, Birnen, Kohlsorten Übergang: Lagergemüse nutzen
Menü-Tausche:
Statt: Sommergemüse
Versuchen: Kürbissuppe, geröstetes Wurzelgemüse, Apfeldesserts
Ersparnis: 50-200 g CO₂eq pro Gericht
Winter (Dezember-Februar)
In Saison: Lagergemüse (Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln, Kohl), Zitrusfrüchte Vermeiden: Die meisten Frischgemüse (importiert oder Gewächshaus)
Menü-Tausche:
Statt: Frischer Tomatensalat
Versuchen: Gerösteter Wurzelgemüsesalat mit Zitrus-Vinaigrette
Ersparnis: 150-400 g CO₂eq pro Gericht
Saisonale Menürotation aufbauen
Der 60-30-10-Ansatz:
-
60% saisonale Ankerzutaten (definiert das Menü)
- Frühling: Spargel, Erbsen, Kräuter
- Sommer: Tomaten, Zucchini, Beeren
- Herbst: Kürbis, Pilze, Äpfel
- Winter: Wurzelgemüse, Zitrusfrüchte
-
30% ganzjährige Grundnahrungsmittel (bieten Konsistenz)
- Getreide, Hülsenfrüchte, Nüsse
- Tiefkühlgemüse (in der Saison verarbeitet)
- Lagerfähige Artikel (Zwiebeln, Knoblauch, Kartoffeln)
-
10% spezielle Importe (ermöglichen Kreativität)
- Exotische Zutaten für Signature-Gerichte
- Hochwertige Artikel mit geringem Volumen
- Strategischer Einsatz von Luftfracht
Saisonale Schnellreferenz (Mitteleuropa)
| Saison | Beste Wahl | Vermeiden |
|---|---|---|
| Frühling (Mär-Mai) | Spargel, Rhabarber, Radieschen, Erbsen, Spinat, Kräuter | Tomaten, Paprika, Beeren, Auberginen |
| Sommer (Jun-Aug) | Tomaten, Zucchini, Paprika, Beeren, Steinobst, Salate | Importierte Beeren, Spargel |
| Herbst (Sep-Nov) | Kürbis, Pilze, Äpfel, Birnen, Wurzelgemüse, Kohl | Sommergemüse (Gewächshaus) |
| Winter (Dez-Feb) | Wurzelgemüse, Kohl, Zitrusfrüchte, Lageräpfel, Kartoffeln | Frische Tomaten, Beeren, Spargel |
Das CO₂-Lebensmittel-Poster enthält Saisonalitätsindikatoren für 500+ Lebensmittel — ideal für die Küchenwand.
Strategie 3: Herkunftsoptimierung
Transport-Wirkungshierarchie
Vom niedrigsten zum höchsten Transportwirkung:
1. Lokal/Regional (< 200 km)
- LKW-Transport: 20-50 g CO₂eq pro kg
- Oft saisonal und frischer
- Unterstützt lokale Wirtschaft
2. Inland/Kontinental (200-1000 km)
- LKW oder Bahn: 50-100 g CO₂eq pro kg
- Angemessen für Spezialitäten
- Die meiste europäische Distribution
3. Interkontinentale Seefracht (5.000+ km)
- Schiffstransport: 50-150 g CO₂eq pro kg
- Akzeptabel für haltbare Produkte
- Die meisten tropischen Früchte, Gewürze usw.
4. Luftfracht (5.000+ km)
- Flugzeugtransport: 500-2.000 g CO₂eq pro kg
- Wann immer möglich vermeiden
- Nur für ultra-verderbliche oder hochwertige Produkte
Produkte mit hoher Luftfracht vermeiden
Fast immer per Luftfracht:
- Frische Beeren (ausser Saison aus Südamerika/Afrika)
- Spargel (ausser Saison aus Peru)
- Frische Kräuter (ausser Saison aus Ostafrika)
- Frischer Fisch (aus entfernten Ozeanen)
- Exotische Früchte (Drachenfrucht, Rambutan)
Alternativen:
Statt: Peruanischer Spargel im Januar (800 g CO₂eq/kg durch Luftfracht)
Verwenden: Tiefgekühlter lokaler Spargel vom Sommer (120 g CO₂eq/kg)
Oder: Bis Mai warten (50 g CO₂eq/kg, lokal, frisch)
Ersparnis: 750 g CO₂eq pro kg (94%)
Strategische Herkunftswahl
Regionale Alternativen bevorzugen:
Tropisch → Regional
Ananas → Äpfel, Birnen
Mango → Steinobst (Pfirsiche, Aprikosen)
Kokosnuss → Lokale Nüsse (Walnüsse, Haselnüsse)
Banane → Saisonale Beeren
Weit importiert → Regionale Entsprechung
Neuseeland-Lamm → Regionales Lamm oder Hähnchen
Argentinisches Rindfleisch → Regionales Rindfleisch oder Schwein
Kenianische Bohnen → Saisonale lokale Bohnen
Chilenische Beeren (Winter) → Tiefgekühlte lokale Beeren
Strategie 4: Zertifizierte und regenerative Zutaten
Bio-Zertifizierung
Wirkung: Variabel — hängt vom Produkttyp ab
Bio-Landwirtschaft hat typischerweise niedrigere Emissionen pro Hektar durch Vermeidung synthetischer Dünger. Allerdings können geringere Erträge den Nutzen bei der Messung pro kg ausgleichen.
Forschung zeigt, dass Bio-Wirkungen je nach Produkt erheblich variieren. Eine Nature Communications-Studie fand heraus, dass während direkte Emissionen bei Bio-Landwirtschaft sinken, die Berücksichtigung von Ertragsreduzierungen und Landnutzungsänderungen zu höheren Gesamtemissionen führen kann.
Produktspezifische Erkenntnisse:
| Produkttyp | Bio vs. Konventionell | Quelle |
|---|---|---|
| Gemüse | Oft 10-20% niedrigere Emissionen | FAO |
| Obst | Oft 10-20% niedrigere Emissionen | FAO |
| Milch | Oft HÖHERE Emissionen | MDPI |
| Getreide | Variabel (ertragsabhängig) | Nature Communications |
| Rindfleisch | Marginaler Unterschied | Mehrere Studien |
Bester Ansatz: Priorisieren Sie die Reduzierung von Zutaten mit hoher Wirkung (Rindfleisch, Milchprodukte) über den Wechsel zu Bio-Versionen derselben Zutaten.
Wann Bio sinnvoll ist:
- Gemüse (Obst, Gemüse) — klarster Nutzen
- Wenn lokal und saisonal bezogen
- Für Tierwohl und Pestizidreduzierung (Nicht-Klima-Vorteile)
Weidehaltung und Freilandhaltung
Wirkung: Variabel (kann höher oder niedriger als konventionell sein)
Weidehaltungs-Rindfleisch:
- Potenziell +10-20% Emissionen (längere Aufzuchtzeit)
- Besseres Tierwohl (+30-50% Rating)
- Gesünderes Fettsäureprofil
Empfehlung: Wenn Rindfleisch serviert wird, ist Weidehaltung die ethische Wahl, aber keine Klimalösung. Bessere Klimastrategie: Rindfleischhäufigkeit reduzieren.
Freiland-Geflügel:
- Ähnliche Emissionen wie konventionell
- Viel besseres Tierwohl
- Empfohlenes Upgrade
Regenerative Landwirtschaft
Wirkung: Potenziell kohlenstoffnegativ (-50 bis -200 g CO₂eq/kg)
Was ist regenerativ?
- Landwirtschaftspraktiken, die Bodengesundheit wiederherstellen
- Zwischenfruchtanbau, pfluglose Bearbeitung, Kompostierung
- Ganzheitliches Weidemanagement
- Kohlenstoffbindung im Boden
Verfügbarkeit: Wachsend, aber noch begrenzt
- Nach Zertifizierungen suchen: Regenerative Organic Certified (ROC)
- Mit Lieferanten an regenerativer Umstellung arbeiten
- Premium-Preisgestaltung (20-40% höher)
Bester Ansatz:
- Pilotprojekt mit 2-3 Schlüsselzutaten
- Prominent auf der Speisekarte präsentieren
- Premium für regenerative Gerichte berechnen
- Die Geschichte erzählen (Gästeaufklärung)
Strategie 5: Portionsoptimierung
Proteinportionen richtig dimensionieren
Standard- vs. optimale Portionen:
Traditionell: Optimiert:
Rindfleisch: 200-250g Rindfleisch: 120-150g
Hähnchen: 200g Hähnchen: 150g
Fisch: 180-200g Fisch: 120-150g
Wirkungsersparnis: 20-40% je nach Protein
Gästezufriedenheit: Hoch (wenn Gemüse zunimmt)
Der ⅓ - ⅔ Teller-Ansatz:
- ⅓ Protein
- ⅔ Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchte
Vorteile:
- Niedrigere Emissionen
- Bessere Ernährung
- Niedrigere Lebensmittelkosten
- Oft höhere Gästezufriedenheit (ausgewogener Teller)
Mit Gemüse auffüllen
Volumen ohne Emissionen hinzufügen:
Rindfleisch-Pfanne Vergleich:
Traditionell:
200g Rindfleisch, 100g Gemüse
Klima-Score: 3.600 g CO₂eq
Rating: A
Optimiert:
120g Rindfleisch, 300g Gemüse
Klima-Score: 2.400 g CO₂eq
Rating: B
Reduzierung: 33%
Gästefeedback: "Farbenfroher, interessanter"
Gemüse zum Auffüllen (geringe Emissionen):
- Pilze (Umami, fleischige Textur)
- Paprika (Farbe, Biss)
- Zwiebeln (Geschmacksbasis)
- Zucchini (nimmt Aromen auf)
- Blattgemüse (Volumen, Nährstoffe)
Strategie 6: Kluge Substitutionen
Zutaten-Tausch-Referenztabelle
Protein-Tausche
| Hohe Wirkung | Wirkungsärmerer Tausch | Reduzierung | Gästeakzeptanz | Koch-Notizen |
|---|---|---|---|---|
| Rindfleisch (200g) | Hähnchen (200g) | 45-60% | Sehr hoch | Keulenfleisch für mehr Geschmack |
| Rindfleisch (200g) | Schweinefleisch (200g) | 35-50% | Sehr hoch | Ähnliche Reichhaltigkeit |
| Rindfleisch (200g) | Linsen + Pilze | 70-85% | Mittel-hoch | Sojasauce, Miso für Umami |
| Rindfleisch (200g) | Tempeh (200g) | 85-90% | Mittel | Gut marinieren, dünn schneiden |
| Rindfleisch (200g) | Seitan (200g) | 80-85% | Mittel | Sehr fleischige Textur |
| Rinderhack | Braune Linsen | 80% | Hoch | Am besten für Bolognese, Shepherd's Pie |
| Rinderhack | Rote Linsen | 80% | Hoch | Schnell garend, toll für Dal |
| Lammfleisch (200g) | Hähnchen (200g) | 50-65% | Hoch | Kreuzkümmel, Koriander, Minze beibehalten |
| Lammfleisch (200g) | Kichererbsen (200g) | 75% | Mittel-hoch | Perfekt für Tagines, Currys |
| Hähnchen (200g) | Fester Tofu (200g) | 40-50% | Mittel | 20+ Min pressen, gut marinieren |
| Zuchtgarnelen | Muscheln | 60-75% | Mittel | Anders, aber köstlich |
Milchprodukt-Tausche
| Hohe Wirkung | Wirkungsärmerer Tausch | Reduzierung | Beste Verwendungen |
|---|---|---|---|
| Kuhmilch (200ml) | Hafermilch | 65-75% | Kaffee, Kochen, Backen |
| Kuhmilch (200ml) | Sojamilch | 60-70% | Allzweck, höchstes Protein |
| Kuhmilch (200ml) | Mandelmilch | 50-60% | Desserts, Smoothies |
| Kuhmilch (200ml) | Reismilch | 55-65% | Natürlich süss, dünn |
| Vollrahm | Kokosnussrahm | 60% | Currys, Suppen, Desserts |
| Butter (100g) | Olivenöl (100ml) | 70% | Mediterran, herzhaft |
| Butter (100g) | Kokosöl (100g) | 50-60% | Backen, Hochhitze-Kochen |
| Käse (100g) | Reduziert (50g) + Hefeflocken | 40-60% | Gereiften Käse für mehr Geschmack |
| Mozzarella | Cashew-Mozzarella | 50-60% | Pizza, Caprese |
| Parmesan | Hefeflocken | 70-80% | Umami, käsiger Geschmack |
| Rahmsauce | Cashew-Rahmsauce | 65% | Pasta, Gratins |
Gemüse- & Saisonalitäts-Tausche
| Hohe Wirkung | Wirkungsärmerer Tausch | Reduzierung | Notizen |
|---|---|---|---|
| Luftfracht-Beeren | Tiefgefrorene lokale Beeren | 70-90% | Richtig auftauen |
| Tomaten ausser Saison | Dosentomaten | 30-50% | Oft besserer Geschmack |
| Gewächshausgemüse | Saisonale Alternativen | 50-70% | Saisonkalender folgen |
| Importierter Spargel (Winter) | Tiefgefrorener lokaler Spargel | 75-90% | Oder auf Frühling warten |
| Tropische Früchte | Regionale Früchte | 40-60% | Äpfel, Birnen, Steinobst |
Getreide- & Hülsenfrucht-Tausche
| Original | Alternative | Reduzierung | Notizen |
|---|---|---|---|
| Weisser Reis | Quinoa | 15-25% | Höheres Protein, nussiger |
| Weisser Reis | Lokales Getreide (Gerste, Dinkel) | 20-30% | Kürzerer Transport |
| Pasta | Linsenpasta | 10-20% | Höheres Protein |
Implementierungs-Fahrplan
Phase 1: Schnelle Erfolge (Woche 1-2)
Ziel: 10-15% durchschnittliche Emissionsreduzierung
Massnahmen:
- 3-5 Gerichte mit höchster Wirkung identifizieren (A- oder B-Rating)
- Einfache Tausche aus obiger Tabelle anwenden
- Mit Küchenteam testen
- Erste optimierte Gerichte lancieren
Beispiele für schnelle Erfolge:
- Rindfleisch-Burger → Hähnchen-Burger (45% Reduzierung)
- Rahmsuppe → Kokosnussrahm-Suppe (60% Reduzierung)
- Spargel ausser Saison → Tiefgefrorener Spargel (75% Reduzierung)
Phase 2: Saisonaler Übergang (Monat 1-2)
Ziel: 15-20% durchschnittliche Emissionsreduzierung
Massnahmen:
- Komplettes Menü auf Saisonalität prüfen
- 30-50% der Artikel ausser Saison ersetzen
- Saisonale Specials einführen
- Personal zu saisonaler Story schulen
Beispiel:
Winter-Menü-Umstellung:
Entfernen: Tomatensalat, frische Beeren-Desserts
Hinzufügen: Wurzelgemüsesalate, Apfel/Birnen-Desserts
Ergebnis: -18% durchschnittliche Emissionen, +lokale Beschaffungs-Story
Phase 3: Pflanzenbetonte Innovation (Monat 3-6)
Ziel: 25-30% durchschnittliche Emissionsreduzierung
Massnahmen:
- 3-5 Signature-pflanzliche Gerichte entwickeln
- "Pflanzenbetont"-Menübereich einführen
- Rindfleisch-Häufigkeit reduzieren (nicht eliminieren)
- Pilz- und Hülsenfruchtgerichte hervorheben
Beispiel:
Menü-Mix vorher:
40% Rind/Lamm-Gerichte
30% Hähnchen/Schwein-Gerichte
20% Fisch-Gerichte
10% Vegetarisch
Menü-Mix nachher:
15% Rind/Lamm-Gerichte (besondere Anlässe)
35% Hähnchen/Schwein-Gerichte
20% Fisch-Gerichte
30% Vegetarisch/Pflanzenbetont
Ergebnis: -35% durchschnittliche Emissionen, breitere Gästeansprache
Phase 4: Eaternity Award-Exzellenz (Monat 6-12)
Ziel: 50% des Menüs mit E/D-Rating
Massnahmen:
- Systematische Überprüfung aller Rezepte
- Mittlere Gerichte optimieren (C-Rating → D/E)
- Top-Gerichte mit Eaternity Award zertifizieren
- Marketingkampagne um Erfolge aufbauen
Erfolgskennzahlen
Verfolgen Sie diese KPIs, um den Handbuch-Erfolg zu messen:
Umwelt:
- Durchschnittlicher Klima-Score pro Gericht
- Prozentsatz E-bewerteter Gerichte
- Gesamte monatliche Emissionen (alle servierten Mahlzeiten)
Operativ:
- Wareneinsatzprozentsatz (sollte neutral bleiben oder sich verbessern)
- Zubereitungszeit (sollte vergleichbar bleiben)
- Küchenteam-Zufriedenheit
Gäste:
- Auswahlrate klimafreundlicher Gerichte
- Gästezufriedenheitswerte
- Wiederkehrquote
Finanziell:
- Umsatz mit klimafreundlichen Gerichten
- Premium-Preisakzeptanz
- Gesamt-Menürentabilität
Praxisbeispiele
Fallstudie: SV Group
Herausforderung: Emissionen über 300+ Unternehmenskantinen reduzieren
Angewandte Handbuch-Strategien:
- Rindfleisch-Häufigkeit reduziert (2x/Woche → 1x/Woche)
- Hähnchen- und pflanzliche Optionen erhöht
- Saisonale Menürotation (quartalsweise Updates)
- Kleinere Proteinportionen, mehr Gemüse
Ergebnisse:
- 20% Emissionsreduzierung in 2 Monaten
- 30% Steigerung bei Auswahl klimafreundlicher Gerichte
- Keine Erhöhung der Lebensmittelkosten
- Höhere Gästezufriedenheitswerte
Fallstudie: Swiss Re Unternehmens-Catering
Herausforderung: Catering mit Unternehmens-Nachhaltigkeitszielen abstimmen
Angewandte Handbuch-Strategien:
- Luftfracht-Zutaten eliminiert
- Bio-Gemüse und lokale Beschaffung
- Pflanzenbetonter Menübereich (6+ tägliche Optionen)
- Eaternity Award prominent präsentiert
Ergebnisse:
- 25% Emissionsreduzierung in 6 Monaten
- Bestbewerteter Mitarbeitervorteil in Umfragen
- Modell für globalen Büro-Rollout
Fehlerbehebung
"Gäste bestellen die klimafreundlichen Optionen nicht"
Lösungen:
- Anfangs nicht als "klimafreundlich" kennzeichnen - einfach köstlich machen
- Ansprechende Beschreibungen verwenden (nicht "fleischlos" sondern "Pilz-Linsen-Ragù")
- Wettbewerbsfähig oder günstiger als wirkungsreiche Optionen bepreisen
- Servicepersonal schulen, Empfehlungen zu geben
- Pflanzenbetont zum Standard machen, nicht zur Alternative
"Köche wehren sich gegen Rezeptänderungen"
Lösungen:
- Köche in Tests und Entscheidungen einbeziehen
- Als kulinarische Innovation darstellen, nicht Einschränkung
- Erfolgreiche Gerichte aus anderen Küchen zeigen
- Erfolge mit Eaternity Award feiern
- Schulung und Inspiration bieten (Koch-Workshops)
"Wirkungsärmere Gerichte kosten mehr"
Lösungen:
- Proteinportionen reduzieren (erhebliche Kosteneinsparung)
- Saisonales Gemüse verwenden (günstiger)
- Hülsenfrüchte nutzen (sehr günstig)
- Einige Gerichte premium bepreisen, mit Value-Optionen ausgleichen
- Gesamtmenükosten berechnen, nicht einzelne Gerichte
"Wir haben pflanzlich probiert und es hat nicht funktioniert"
Häufige Fehler:
- Verwendung minderwertiger Fleischalternativen
- Pflanzlich als Nebensache behandelt
- Unterwürzung (Pflanzen brauchen mehr Geschmack)
- Falsche Erwartungen (nicht versuchen, Fleisch genau zu imitieren)
Besserer Ansatz:
- Gerichte kreieren, die Gemüse/Hülsenfrüchte feiern
- Pilze für Umami und Textur verwenden
- Grosszügig würzen und Säure/Fett hinzufügen
- Vor der Einführung ausgiebig testen
- Feedback einholen und iterieren
Ressourcen und Werkzeuge
CO₂-Lebensmittel-Poster
Das Eaternity CO₂-Lebensmittel-Poster zeigt 500+ Lebensmittel nach Klimawirkung sortiert — eine ideale Schnellreferenz für jede Küche.
- Kostenloser Download: PDF-Versionen auf Deutsch, Englisch, Französisch und Chinesisch
- Physische Poster: B2-Format (50 × 70 cm) für Restaurantküchen
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